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Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin ! (2008)

... Mit drei Bussen, wie vor 19 Jahren." Eugen Kraas, Schatzmeister des BVB-Fanclubs Oeventrop-Freienohl, hat 180 der begehrten Tickets für das morgige DFB-Pokalendspiel im Berliner Olympiastadion ergattert.

"Berlin, da wollen alle hin, egal wie", sagt Eugen Kraas (57). Für die Elf um Petric, Wörns und Co. führte der Weg über Bremen, Hoffenheim und Jena ins Finale. "Bayern, das ist einfach ein Wunschgegner, besser geht's nicht", freut sich Kraas.

Doch für die Fans der Dortmunder Borussia war es gar nicht so einfach, an eines von 75 000 Tickets zu gelangen. 35 000 gingen an den DFB, je 20 500 an den FC Bayern München und den BVB Dortmund. "Jetzt verteil' das mal! Allein in Dortmund gingen nach dem Sieg über Jena 190 000 Anfragen ein. Die wurden dort regelrecht bombardiert mit Faxen im Sekundentakt." Jeweils ein Drittel reservierte der BVB für seine Fanclubs, die Inhaber von Jahreskarten und seine Mitglieder. "Ich habe denen gesagt, wir brauchen 180 Karten." In der Jahreshauptversammlung hatte der Vorstand des mehr als 600 Mitglieder zählenden Clubs seinen Fans schon versprochen: "Wir fahren mit drei Bussen nach Berlin, wie vor 19 Jahren."

1989 war es zwar einfacher an Tickets zu kommen, denn leistungsmäßig im Mittelfeld dümpelnd, war die Fangemeinschaft damals noch nicht so riesig groß. Doch die Reise nach Berlin war im Mai vor dem Mauerfall noch eine Reise hinter den Eisernen Vorhang. Mit Reisepass, doch ohne die Bequemlichkeit eines eigenen Toilettenservices an Bord, ging es durch die Zone nach Westberlin. "Die Grenzer wollten den bevorstehenden Zusammenbruch bis zum Schluss nicht wahrhaben und haben eisern und ohne eine Miene zu verziehen kontrolliert."

Wie vor 19 Jahren Die Fans im BVB-Outfit hatte Kraas vorher instruiert, sich ganz ruhig zu verhalten. Denn vom Spitzenspiel gegen den Favoriten Bremen wollte keiner auch nur eine Sekunde verpassen. Der Außenseiter holte dann mit einem 4 : 1-Sieg den Pokal und ganz Berlin versank in einem Schwarz-Gelben Bananenmeer. "Noch heute singen die Fans: Nobi, Nobi der Held von Berlin." Heute ist Norbert Dickel, der Torschütze von einst, Stadionsprecher der Borussia.

Und 19 Jahre nach dem Riesenerfolg stand ein junger Fan nach dem erneuten Einzug ins Finale bei Kraas vor der Haustür. "Mein Opa war in Berlin. Jetzt will ich auch nach Berlin." 270 Anfragen gingen im Hauptquartier des Fanclubs "Im Siepen" ein. Immer wieder klingelte das Telefon. "Karten gibt es keine mehr und der Bus ist leider auch voll", musste Kraas die Fans vertrösten. "Wir haben die Tickets vorrangig an die Fans abgegeben, die regelmäßig zu den Spielen mitfahren." Zu diesen gehört z.B. die Familie Rock. "Gleich mit 14 Mann sind sie dabei."

(Sieges-)hungrige Fans Für ausreichend Proviant haben Marietheres und Eugen Kraas gesorgt. 400 Frikadellen, 500 Bockwürstchen, 250 Mettwürstchen, Hunderte von Brötchen und eineinhalb Räder Käse begleiten die siegeshungrigen Fans nach Berlin. Da kann eigentlich nichts mehr schief gehen. "Auch diesmal sind wir wieder Außenseiter gegen den haushohen Favoriten Bayern. Doch im DFB-Pokal gelten andere Gesetze. Da sind die Spieler hochmotiviert", ist Kraas überzeugt und wagt einen Tipp: "Wir gewinnen mit 3:1." Die Oeventroper Fans sitzen übrigens im Oberring in der Nähe des Marathontors. Dort sind die Reihen 1 bis 8 im Olympiastadion reserviert. Anstoß ist um 20 Uhr.180 Tickets hat der Schatzmeister des BVB-Fanclubs Oeventrop-Freienohl für das DFB-Pokalfinale ergattert. "Mit drei Bussen fahren wir nach Berlin, wie vor 19 Jahren."

Quelle +(c) WP / derwesten.de